Praxisformen und Rechtsformen für die Arzt- und Zahnarztpraxis

Praxisformen und Rechtsformen für Ärzte und Zahnärzte

Ärzte und Zahnärzte, die sich entschließen, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen, stehen vor einer Vielzahl von Möglichkeiten und Entscheidungen. Nicht nur die Auswahl von Standort, Rechtsform und allgemeinem Konzept müssen getroffen werden. Über allem steht zunächst einmal die Überlegung, ob man seine künftige Tätigkeit als niedergelassener Arzt oder Zahnarzt allein (in Einzelpraxis) oder in Gemeinschaft mit anderen Ärzten ausüben möchte. Fällt die Wahl auf die gemeinschaftliche Berufsausübung ist der Entscheidungsprozess damit noch nicht am Ende, da verschiedene Formen der Kooperation zur Verfügung stehen. Traditionelle Formen der Zusammenarbeit sind insbesondere die Berufsausübungsgemeinschaft (früher bezeichnet als Gemeinschaftspraxis), die Praxisgemeinschaft und das medizinischen Versorgungszentrum (MVZ). Wir haben für Sie alle Besonderheiten sowie Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Praxisformen zusammengestellt. Lassen Sie sich vor Ort von uns beraten, welche Kooperationsform am besten zu Ihnen passt.

  • Professionelle Beratung bei der Wahl der Praxisform für Ärzte, Zahnärzte und Heilberufe
  • Behalten Sie den Überblick über die verschiedenen Vor- und Nachteile der einzelnen Praxisformen
  • Profitieren Sie von unserer Erfahrung bei der Auswahl der für Sie geeigneten Rechtsform
  • Stellen Sie frühzeitig die Weichen für eine erfolgreiche Praxisgründung

30 Jahre Praxiserfahrung 

Persönlicher Steuerberater

Individuelle Beratung

Vertrauensvolle Zusammenarbeit

Gute Erreichbarkeit

Mehr über die verschiedenen Praxisformen erfahren

Einzelpraxis

Der Arzt oder Zahnarzt ist organisatorisch unabhängig und wirtschaftlich selbstständig tätig. Mit anderen Worten: er ist „sein eigener Chef“.

BAG

Bei der Berufsausübungs-gemeinschaft (BAG) schließen sich mehrere Ärzte mit gemeinsamer Abrechnung und Patientenkartei zusammen.

Praxisgemeinschaft

Die Praxisgemeinschaft ist eine Kooperation eigenständiger Arzt- oder Zahnarztpraxen mit getrennter Abrechnung und getrennter Patientenkartei.

MVZ

Das Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) ist eine ärztlich geleitete Einrichtung, in der Freiberufler und/oder Angestellte arbeiten.

Bei der Entscheidung für eine Praxisform geht es nicht nur um die Frage, ob Sie sich eher als Teamplayer oder Individualist sehen. Besonders mit Blick auf die Verwaltung der Arzt- oder Zahnarztpraxis, die Gestaltung der Arbeitszeit sowie Finanzierungsfragen ist eine Niederlassungsoption für Sie womöglich besser geeignet als eine andere. Darüber hinaus gehen die verschiedenen Kooperationsformen mit einem jeweils unterschiedlichen Grad an Verbindlichkeit und Vergemeinschaftung einher. Sie wünschen sich Unterstützung bei der Entscheidung für die richtige Praxisform? Wir stehen Ihnen bei allen Fragen der Praxisgründung zur Seite.

Referenzen für Steuerberatung im Bereich Ärzte, Zahnärzte und Heilberufe

Die Vor- und Nachteile der Praxisformen im Überblick

EINZELPRAXISBAGPRAXISGEMEINSCHAFTMVZ
MERKMALE: ein Arzt/Psychotherapeut wirtschaftlich und organisatorisch selbstständig und unabhängig (eigener Chef sein)MERKMALE: gemeinsame Zusammenarbeit (auch: Gemeinschaftspraxis genannt) mehrerer Gesellschafter mit gemeinsamer Abrechnung und gemeinsamen Patientenstamm (gemeinsame Betriebsstättennummer)MERKMALE: Zusammenschluss von zwei oder mehreren eigenständigen (Einzel-) Praxen mit getrennter Abrechnung und getrenntem Patientenstamm (dennoch bis zu einem sehr minimal definierten Prozentsatz ist eine Patientenüberschneidung erlaubt)MERKMALE: ärztlich oder psychotherapeutisch geleitete Einrichtung mit gemeinsamer Abrechnung und gemeinsamen Patientenstamm, in der Freiberufler und/oder Angestellte an einem Standort arbeiten
RECHTSFROM: Einzelunternehmer (freiberuflich)RECHTSFROM: meist Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) oder Partnerschaftsgesellschaft (PartG)RECHTSFROM: meist Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)RECHTSFROM: meist Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), Gesellschaft öffentlichen Rechts oder Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
VORTEILE:
  • völlige Eigenständigkeit
  • wirtschaftliche Unabhängigkeit
VORTEILE:
  • Kostenteilung und -ersparnis durch gemeinsame Nutzung der Ressourcen und gemeinsame Gewinnverteilung laut Gesellschaftsvertrag
  • gemeinschaftliche Verantwortung, aber auch eigenverantwortliches Arbeiten und medizinische Unabhängigkeit
  • Mehr persönliche Freiheit durch Vertretung untereinander möglich
  • Jobsharing-Praxis: Fließende Praxisnachfolge durch Aufnahme eines Juniorpartners ohne eigene Aufbauarbeit des Nachfolgers möglich
VORTEILE:
  • hohe medizinische und wirtschaftliche Eigenständigkeit und Entscheidungsfreiheit der Partner
  • Kosteneinsparungs- und Synergieeffekte durch gemeinsame Nutzung von Ressourcen, z.B. Räumlichkeiten, Geräte, Personal etc.
  • Möglichkeit des fachlichen Austauschs unter den Kollegen
  • Keine hohe Bindung und einfache Trennbarkeit
  • Nur sehr begrenzte gemeinschaftliche Haftung
VORTEILE:
  • Kostenersparnis durch gemeinsame Nutzung von Ressourcen
  • flexible Arbeitsteilung
  • Möglichkeit des fachlichen Austauschs unter den Kollegen
  • Kooperation mit nicht ärztlichen Gesundheitsberufen möglich
NACHTEILE:
  • Praxisinhaber trägt Kosten für Räumlichkeiten, Personal, Geräte etc. allein
  • volle Verantwortung für den wirtschaftlichen Erfolg
  • persönliche Vorstellungen verwirklichen
  • Organisation von Vertretungen im Falle der Abwesenheit
NACHTEILE:
  • Haftungsrisiken: Wechselseitige Haftung für Fehler der Partner sowie für Altschulden
  • Entscheidungsfreiheit des einzelnen Arztes ist eingeschränkt
  • Starke Bindung der Partner und hohes Maß an Vertrauen und Flexibilität erforderlich
  • Risiko der gewerblichen Infektion
NACHTEILE:
  • begrenzte Möglichkeiten der gegenseitigen Vertretung und keine Arbeitszeitteilung bzw. –abstimmung wie in einer BAG möglich
  • Arbeit in vielen Bereichen doppelt an (z.B. bei der Abrechnung und im Marketing)
  • Risiko der gewerblichen Infektion bei unsachgemäßer Kostenverteilung
  • Risiko der Umsatzsteuerpflicht bei Leistungsaustausch untereinander
  • Risiko der Scheinpraxisgemeinschaft bei nicht sorgfältiger Abgrenzung der Außendarstellung und Abrechnung
NACHTEILE:
  • erhebliches wirtschaftliches Risiko
  • Regelung der Gewinnverteilung muss klar vertraglich festgelegt sein
  • ggf. schwierige Abstimmungen innerhalb der Einrichtung
  • Risiko der gewerblichen Infektion bei Gestaltung als Personengesellschaft
STANDORT: örtlichSTANDORT: örtlich, überörtlich, KV-übergreifendSTANDORT: örtlichSTANDORT: örtlich
ANFORDERUNGEN: nur mit Zulassung des ZulassungsausschussesANFORDERUNGEN: nur mit Genehmigung des ZulassungsausschussesANFORDERUNGEN: Anzeigepflicht gegenüber der KVANFORDERUNGEN: nur mit Genehmigung des Zulassungsausschusses

Die wichtigsten Fragen zur Rechtsformwahl für Ärzte und Zahnärzte

Rechtsformen der Arzt- oder Zahnarztpraxis

Ist die Entscheidung für eine der Praxisformen gefallen, muss im nächsten Schritt die (abhängig von der gewählten Praxisform) passende Rechtsform für die Arzt- oder Zahnarztpraxis bestimmt werden. Die Wahl der Rechtsform bzw. der Gesellschaftsform ist ebenfalls eine überaus wichtige Entscheidung, da sowohl steuerliche als auch haftungsrechtliche Faktoren mit der Rechtsform verbunden sind. Abhängig von der gewählten Praxisform stehen insbesondere die freiberufliche Tätigkeit, die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die Partnerschaftsgesellschaft (PartGG) und die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) zur Verfügung.

Die Einzelpraxis als Freiberufler (Einzelunternehmer)

Die Eröffnung einer Arzt- oder Zahnarztpraxis als Freiberufler ist verhältnismäßig einfach. Da der Freiberufler nicht als Gewerbetreibender gilt, entfallen Gewerbesteuer und andere Abgaben. Zudem sind die steuerrechtlichen Verpflichtungen vergleichsweise gering, weil anstatt einer doppelten Buchführung auch die einfache Einnahmenüberschussrechnung zulässig ist. Nachteilig bei der Wahl der Rechtsform einer Einzelpraxis ist hingegen die Haftungsregelung. Als Freiberufler haftet der Arzt oder Zahnarzt nicht nur mit dem Geschäftsvermögen. Auch private Vermögenswerte werden im Haftungsfall verwertet. Als Steuerberater für Freiberufler in Hamburg bieten wir Ihnen auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittene Beratung an.

Die Arzt- oder Zahnarztpraxis in der Rechtsform der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Bei der GbR handelt es sich um einen Zusammenschluss mindestens zweier Ärzte (Gesellschafter) zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels. Die GbR stellt dabei die einfachste und allgemeinste Form der Personengesellschaft des deutschen Gesellschaftsrechts dar. Hinsichtlich der Haftung ist dir GbR vergleichbar mit der freiberuflichen Tätigkeit als Einzelpraxis. Jeder Gesellschafter haftet sowohl mit dem Betriebs- als auch mit seinem Privatvermögen. Im Gegenzug bleiben allerdings auch die Vorteile eines Freiberuflers erhalten. Die Gewerbesteuerpflicht entfällt und die Buchführung muss verhältnismäßig wenig umfangreich ausgestaltet sein. Problematisch können bei der Rechtsform der GbR allerdings Änderungen, wie z.B. an der Gesellschafterstruktur sein, weil für Rechtshandlungen grundsätzlich das Einverständnis aller Gesellschafter erforderlich ist. Daher müssen immer alle Gesellschafter gemeinsam aktiv werden.

Die Arzt- oder Zahnarztpraxis in der Rechtsform der Partnerschaftsgesellschaft (PartGG):

Die Partnergesellschaft ist letztlich ebenfalls eine GbR, bietet allerdings im Unterschied zur GbR einige Vorteile.

  • Zum einen kann mit der Rechtsform der PartGG im Unterschied zur GbR eine teilweise Haftungsfreistellung erreicht werden. Sofern nur einzelne Ärzte (Partner) mit der Behandlung befasst waren, haften auch nur diese gesamtschuldnerisch neben der Partnerschaft. Folglich kann durch vertragliche Gestaltungen erreicht werden, dass der einzelne Arzt im Rahmen seiner ärztlichen Betätigung zunächst nur für seine eigenen Fehler persönlich haftet.
  • Zum anderen ist die Gesellschaft ist selbst rechtsfähig. Das bedeutet, dass Rechtshandlungen nicht zwingend von allen Gesellschaftern gemeinsam vorgenommen werden müssen, was im Praxisalltag eine erhebliche Vereinfachung darstellen kann. Insbesondere für Berufsausübungsgemeinschaften (ehemals Gemeinschaftspraxen) ist diese Form der Personengesellschaft daher oftmals geeigneter.
  • Schließlich lässt die die PartGG auch berufsfremde Freiberufler zu. Dies ist aber keine Voraussetzung für die PartGG, sodass sich oftmals auch ausschließlich Ärzte zu einer reinen Ärzte-Partnerschaftsgesellschaften zusammenschließen.

Die Arzt- oder Zahnarztpraxis in der Rechtsform der GmbH (Ärzte-GmbH):

Eine weitere Rechtsform, die insbesondere in Verbindung mit der Praxisform des MVZ auftritt, ist die GmbH. Anders als die GbR und die PartGG, die zu der Gruppe der Personengesellschaften zählen, ist die GmbH eine Kapitalgesellschaft. Die Gründung einer GmbH ist im Vergleich zu den anderen Rechtsformen zunächst wesentlich aufwendiger. Zum einen wird für die Gründung ein Stammkapital von EUR  25.000 vorausgesetzt (wobei dieses nicht zwangsläufig von Anfang an in voller Höhe und nicht in Form von liquiden Mitteln nachgewiesen werden muss). Zum anderen sind das Hinzuziehen eines Notars und die Anmeldung im Handelsregister erforderlich. Auch der zum Teil beliebte Umweg über eine sogenannte Unternehmergesellschaft (UG), die eine Vorstufe der GmbH darstellt, verringert lediglich die erforderliche Anfangsinvestition.

Der Vorteil der GmbH als Rechtsform für eine Arzt- oder Zahnarztpraxis liegt insbesondere in der Haftungsbeschränkung, da die Haftung der Gesellschafter grundsätzlich auf die Höhe des Stammkapitals beschränkt ist. Die Gesellschafter haften nur dann mit ihrem Privatvermögen, wenn der Haftungsfall vorsätzlich herbeigeführt wurde. Steuerlich erzielt die GmbH kraft ihrer Rechtsform Einkünfte aus Gewerbebetrieb und muss als Kapitalgesellschaft auf den Gewinn Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer zahlen. Die Gesellschafter erzielen im Rahmen der Ausschüttungen aus der GmbH Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 20 EStG) und, soweit sie auch Gesellschaftergeschäftsführer sind, Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit (§ 19 EStG). Aufgrund der vergleichsweise hohen steuerlichen und handelsrechtlichen Auflagen (für die GmbH ist eine ordnungsmäßige Buchführung und die Aufstellung einer Bilanz mit Veröffentlichung im Bundesanzeiger verpflichtend) wird die Rechtsform der GmbH für Ärzte und Zahnärzte in der Regel erst im späteren Verlauf der Tätigkeit interessant.

Die Praxisform- und Rechtsformwahl im Gesamtkontext des Praxisgründungsprozesses

Nachdem im ersten Schritt mit der Ist-Analyse das Fundament für die erfolgreiche Praxisgründung gelegt wurde, folgt im zweiten Schritt die Entscheidung für die individuell passende Praxisform. Welche Praxisform für Sie am besten geeignet ist, hängt zunächst einmal davon ab, ob Sie als niedergelassener Arzt oder Zahnarzt allein in Einzelpraxis oder in Gemeinschaft mit anderen Ärzten tätig werden möchten. Außerdem unterstützen wir Sie dabei, die passende Rechtsform für Ihre Arzt- oder Zahnarztpraxis zu bestimmen. Ist die Entscheidung für die geeignete Praxis- und Rechtsform gefallen, folgt im nächsten Schritt die Prüfung der rechtlichen Voraussetzungen.

Wir beraten Sie gerne

Sie fragen sich, welche Praxis- und Rechtsform für Ihr Niederlassungsvorhaben am besten geeignet ist und suchen einen verlässlichen Partner, der Ihnen bei allen Fragen der Praxisgründung zur Seite steht? Als Steuerberater für Ärzte und Zahnärzte haben wir uns auf die professionelle Beratung im Gesundheitswesen spezialisiert. Zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren und profitieren Sie von unserer Erfahrung.

Marianne Mock – Steuerberaterin
  • +49 40 507997-0
  • info@mock-steuerberatung.de

Wir beraten Sie gerne

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Marianne Mock – Steuerberaterin

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